Albanien - Überblick
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Überblick - Albaniens Geschichte
| Albanien (albanisch
Shqipëri => Land des Adlers), Republik in Südosteuropa, im westlichen
Teil der Balkanhalbinsel. Das
Land grenzt im Nordwesten und Norden an Kosovo und Montenegro, im Osten
an die Ehemalige Jugoslawische
Republik Makedonien, im Südosten und Süden an Griechenland und im
Westen an das Adriatische Meer. Der Staat erstreckt sich von Norden
nach Süden über eine Länge von circa 345 Kilometern; die maximale Breite
beträgt rund 145 Kilometer. Albanien ist mit einer Fläche von 28 748
Quadratkilometern eines der kleinsten Länder Europas.
Albanien wird von Gebirgen dominiert, deren Gipfel überwiegend zwischen 2 100 und 2 400 Meter hoch sind. Insgesamt sind rund zwei Drittel des Landes gebirgig. Die felsigen Nordalbanischen Alpen bilden das südliche Ende des Dinarischen Gebirges. Hier erhebt sich der Korab, mit 2 764 Metern der höchste Berg Albaniens. In den zentralen und südlichen Teilen des Landes werden die Gebirge von Hochplateaus und Becken unterbrochen. Nördlich der Stadt Vlorë erstreckt sich entlang der Küste am Adriatischen Meer ein relativ breites Küstentiefland. Der Küstenstreifen ist fruchtbar, an vielen Stellen aber sumpfig. In einigen Buchten sind lang gestreckte Lagunen entwickelt. Das indogermanische Volk der Illyrer besiedelte gegen Ende der Bronzezeit (um 1800 v. Chr.) den westlichen Teil der Balkanhalbinsel, und sie bildeten während des 5. und 3. Jahrhunderts v. Chr. selbständige Staaten. Das Königreich Adrians, gegründet im 3. Jahrhundert v. Chr., erstreckte sich von der dalmatinischen Küste bis zu den Küstenregionen des heutigen Albanien. Das Königreich Adrians entwickelte sich zu einer wichtigen Seemacht. Dieses Reich erreichte seinen Höhepunkt unter der Herrschaft Agrons (250-231 v. Chr.). 229 v. Chr. hatten die Römer bereits begonnen, das Land zu erobern; ab 168 v. Chr. beherrschten sie das illyrische Königreich für mehr als fünf Jahrhunderte. Nach der Aufspaltung des Römischen Reiches 395 n. Chr. wurde Albanien Teil des Oströmischen Reiches. In dieser Zeit entwickelten sich die albanischen Häfen, wie z. B. Durrës, zu wichtigen Handelszentren. Im 4. und 5. Jahrhundert begann die Christianisierung der Illyrer, und seit Ende des 6. Jahrhunderts drangen slawische Völker in das Land vor. Ab dem 7. Jahrhundert stand das illyrische Gebiet unter slawischer Herrschaft, und die christlichen Illyrer zogen sich vor allem in die nördlichen Gebirgsregionen zurück. 883 eroberten die Bulgaren die Region, und Albanien wurde nun als Thema Dyrrhachon unter byzantinische Herrschaft gestellt. Ab 1204 stand Albanien unter der Herrschaft des Despotat Epirus und seit 1230 gehörte das Land zum bulgarischen Staat Iwan Assens II. sowie ab 1252 zum Reich Nikaia. Die Küstenstädte wurden von den Venezianern oder den Sizilianern kontrolliert. 1272 übte das Königreich Neapel die Oberhoheit über die Bevölkerung aus, die seit dem 11. Jahrhundert Albaner (von den Serben Arbansi) genannt wurden und häufig als Söldner den Nachbarstaaten dienten. Sie selber nannten sich Skipetaren (Shqiptaren, Bergleute). 1343 wurde das Land von den Serben erobert, aber bereits mit dem Zusammenbruch des serbischen Reiches im Jahr 1355 teilte sich Albanien in zwei serbische Fürstentümer (im Süden Epirus, im Norden Zeta), die kurze Zeit später von albanischen Fürsten kontrolliert wurden. Die Osmanische Herrschaft Ende des 14. Jahrhunderts fielen Türken, die die Albaner Arnauten nannten, in Albanien ein. Unter Gjergj Kastrioti - genannt Skenderbeu konnten die Albaner nach einem 25 Jahre währenden Kampf zunächst eine türkische Okkupation ihres Landes verhindern: 1448 und 1466 konnte Skenderbeu noch die türkischen Angriffe abwehren, doch nach seinem Tod 1468 wurde Albanien Teil des Osmanischen Reiches. Es kam zu einer großen Flüchtlingswelle nach Süditalien und Sizilien. Die in Albanien verbliebene Bevölkerung trat zum Islam über. Die Türken konnten nie die uneingeschränkte Herrschaft über Albanien gewinnen. Die zahlreichen Aufstände wurden im Norden des Landes von der katholischen, im Süden von der orthodoxen Kirche unterstützt. Von 1775 bis 1796 regierten die Bushatis im Herzogtum Shkodër und dehnten ihre Macht auf Nord- und Mittelalbanien aus. Von 1790 bis 1822 regierte Ali Pascha das Herzogtum Janina, das Gebiet von Vlorë und Berat bis Çamëria und Thessaly.
1878 formierte sich die albanische Nationalbewegung - Liga von Prizren, und von 1878 bis 1881 kämpften die Albaner vergeblich um den Erhalt ihrer territorialen Einheit und um die Lösung von der Türkei. Die konfessionellen Gegensätze und patriarchalischen Sozialstrukturen der einzelnen regionalen Fürstentümer schwächten die Aufständischen.
Die Unabhängigkeit
Erst die Aufstände seit 1910 und vor allem der 1. Balkankrieg führten zur Unabhängigkeit. Am 28. November 1912 proklamierte Ismail Kemal Bei in Vlorë einen unabhängigen Staat Albanien. Auf der Londoner Botschafterkonferenz wurde die Unabhängigkeit am 27. Juli 1913 gegen die Ansprüche Serbiens von den Großmächten anerkannt. Durch die Grenzziehung verlor Albanien aber mehr als die Hälfte seiner ursprünglichen Landesfläche, darunter auch den Kosovo sowie circa 40 Prozent seiner Bevölkerung. Die Großmächte erklärten den deutschen Prinzen Wilhelm zu Wied zum Herrscher von Albanien. Er trat im März 1914 die Herrschaft an, musste aber sechs Monate später infolge des inneren Widerstandes und des Ausbruchs des 1. Weltkrieges fliehen. Während des Krieges wurde Albanien zum Schlachtfeld für die Großmächte, und Teile des Landes waren zeitweise von Montenegro, Serbien, Österreich-Ungarn, Italien und Griechenland besetzt. Nach Ende des 1. Weltkrieges stand das Land wieder vor der Teilung. In der Pariser Friedenskonferenz von 1919 wurden jedoch die von Griechenland, Serbien und Montenegro erhobenen Ansprüche auf Albanien zurückgewiesen, und im Vertrag von Tirana erkannte am 2. August 1919 Italien zwar Albanien an, räumte aber den Süden des besetzten Landes erst 1920. Auf dem Kongress von Lushnjë im Januar 1920 bildeten die Albaner eine provisorische Regierung und einen Regentschaftsrat; im Dezember desselben Jahres wurde Albanien in den Völkerbund als unabhängiger Staat aufgenommen. 1921 und 1923 kam es durch den Völkerbund erneut zu Grenzkorrekturen, insbesondere zu Griechenland, das ebenso wie das spätere Jugoslawien, immer wieder territoriale Ansprüche erhob. In der Folgezeit entbrannten immer wieder heftige innenpolitische Machtkämpfe. 1921 war es auch zum Aufstand der Mirditen, eines albanischen Stammes, gekommen. Die stärkste politische Persönlichkeit des Landes war Ahmed Zogu, der 1923/24 Ministerpräsident geworden war, aber nach einem erneuten Aufstand im Juni 1924 ins Exil gehen musste. Er kehrte Ende 1924 wieder zurück und wurde erneut Ministerpräsident. Nach der Abschaffung des monarchischen Regierungssystems und des Regentschaftsrates und der Ausrufung der Republik am 22. Januar 1925 wurde er Staatspräsident, 1928 ernannte er sich zum König und als Zogu I. regierte er diktatorisch bis 1939. Zogu verstand sich als König aller Albaner, auch der albanischen Minderheiten in Griechenland und Jugoslawien. Er führte weitreichende kulturelle und wirtschaftliche Reformen durch, ging aber ein politisches und militärisches Bündnis mit dem faschistischen Italien ein (1. Pakt von Tirana vom 26. November 1926 und 2. Pakt von Tirana vom 22. November 1927). Das Verhältnis zu Italien blieb aber wegen der großen wirtschaftlichen Abhängigkeit nicht ohne Spannungen. Am 7. April 1939 besetzten Mussolinis Truppen Albanien. Zogu ging ins Ausland ins Exil und der italienische König Viktor Emmanuel III. wurde in Personalunion König von Albanien. Der 2. Weltkrieg Gegen die italienischen Truppen, die von Albanien aus 1940 Griechenland angegriffen hatten, und die spätere deutsche Besatzung (vom September 1943 bis 29. November 1944) kam es zum bewaffneten Widerstand, der ab 1944 von den kommunistischen Partisanen dominiert wurde. Die Kommunistische Partei Albaniens war im November 1941 gegründet worden und man hatte 1943 Enver Hoxha, einen jungen, westlich erzogenen Schullehrer, zum Generalsekretär gewählt. Militärisch wurde der Widerstand von der 1943 gebildeten "Albanischen Nationalen Volksbefreiungsarmee" organisiert. Im September 1943 starteten die Kommunisten eine Kampagne gegen die nationalistischen Organisationen Balli Kombëtar (Nationale Front) und Legaliteti (Legalität). In einem blutigen Bürgerkrieg wurden die Nationalisten besiegt, und im "Antifaschistischen Rat der Nationalen Befreiung", der sich 1944 konstituiert hatte, übernahmen die Kommunisten die Führung. Bis zum Oktober 1944 bildeten sie eine Übergangsregierung unter der Führung von Hoxha, einen Monat später, nach Abzug der deutschen Truppen, auch die Staatsführung. Die Volksrepublik Am 11. Januar 1946 verkündete Hoxha die Abschaffung der Monarchie und proklamierte die Volksrepublik Albanien. Im März wurde eine neue Verfassung verabschiedet und eine neue Regierung mit Hoxha als Premierminister gebildet. So genannte Säuberungsaktionen in den eigenen Reihen und vor allem beim politischen Gegner schalteten die Opposition aus. Industriebetriebe und Bergwerke wurden verstaatlicht und eine Bodenreform durchgeführt. Die Beziehungen zu den Nachbarstaaten Von 1944 bis 1948 waren die außenpolitischen Beziehungen Albaniens von Spannungen zu Griechenland und den westlichen Staaten gekennzeichnet. Es gab enge Beziehungen zu Jugoslawien, selbst über einen Anschluss Albaniens an Jugoslawien wurde beraten. Nach dem Bruch zwischen der Sowjetunion und Jugoslawien 1948 stellte sich aber Albanien auf die Seite der Sowjetunion. Es wurde in der Folge in großem Maßstab von der UdSSR und anderen sozialistischen Ländern unterstützt. 1949 erfolgte die Aufnahme in den COMECON, und 1955 trat Albanien dem Warschauer Pakt bei. 1954 gab Hoxha sein Amt als Premierminister an seinen Stellvertreter Mehmet Shehu ab, bestimmte jedoch als Erster Parteisekretär der Albanischen Kommunistischen Partei weiterhin die Politik. Albaniens Beziehungen zum sowjetischen Block begannen sich seit Mitte der fünfziger Jahre zu verschlechtern. Hoxha wollte sich dem Kurs Moskaus (Entstalinisierung, friedliche Koexistenz mit kapitalistischen Ländern und Annäherung an Jugoslawien) nicht anschließen. Die Allianz mit China Albanien entzog sich immer mehr dem sowjetischen Einfluss, und bis
zum Ende des Jahres 1960 hatte sich die Regierung deutlich auf eine
Allianz mit Peking zubewegt. Die Sowjetunion und ihre osteuropäischen
Verbündeten reagierten mit der Einstellung aller Hilfsleistungen für
Albanien. Im Dezember 1961 brach die Sowjetunion schließlich alle diplomatischen
Beziehungen zu Tirana ab. Der Alleingang Chinas außenpolitische Umorientierung in den frühen siebziger Jahren und die anschließende chinesisch-amerikanische Annäherung führten zu einer Abkühlung der albanisch-chinesischen Beziehungen. Nachdem Albanien mehrmals öffentlich die Außenpolitik Chinas verurteilt hatte, stellte Peking im Juli 1978 alle Hilfsleistungen für seinen früheren Bündnispartner auf dem Balkan ein. Nach dem Bruch mit China verfolgte Hoxhas Regime eine Strategie einer eigenen, unabhängigen Wirtschaftsentwicklung. In den späten siebziger und frühen achtziger Jahren verbesserten sich auch die Beziehungen zu Griechenland und einigen westeuropäischen Staaten. Das Problem der in Albanien lebenden griechischen Minderheit (zwischen 200 000 und 400 000 Griechen) blieb jedoch virulent. Das Verhältnis zu Jugoslawien war weiterhin durch die Unterdrückung der mehr als 1,5 Millionen Kosovo-Albaner durch die Belgrader Regierung schwer belastet. Im Dezember 1981 wurde bekannt gegeben, dass der Ministerpräsident Shehu Selbstmord begangen habe. Kurze Zeit später wurde er als ausländischer Agent denunziert, und seine früheren Anhänger wurden eliminiert. Neuer Ministerpräsident wurde im Januar 1982 Adil Çarçani, und nach dem Tod von Hoxha am 11. April 1985 übernahm Ramiz Alia die Führung der Kommunistischen Partei. Während der Demokratisierungswelle, die Osteuropa Ende der achtziger Jahre erfasst hatte, öffnete sich das Land ein wenig: das Religionsverbot wurde ebenso gelockert wie das Verbot von Auslandsreisen, Oppositionsparteien wurden zugelassen und die Beziehungen zum Westen ausgeweitet. Diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland wurden 1987 aufgenommen. 1989 kam es, nachdem es in den Jahren zuvor immer mal wieder wegen der prekären Wirtschaftslage zu Protestkundgebungen gekommen war, in der nordalbanischen Stadt Shkodër zu größeren Unruhen unter den Studenten, so dass die Regierung den Ausnahmezustand verhängen musste. Im Juli 1990 gingen in Tirana erneut Tausende auf die Straße; bei den Demonstrationen kam es zu Schusswechseln, und eine erste Flüchtlingswelle (6 000 Menschen flüchteten ins Ausland) setzte ein; im Januar 1991 flohen 5 000 Albaner griechischer Abstammung ins Nachbarland. Ende März 1991 gewannen die Kommunisten die ersten freien Parlamentswahlen. Sie verabschiedeten eine neue Verfassung und Ramiz Alia wurde zum Präsidenten gewählt. Die Kommunistische Partei hatte sich inzwischen in "Albanische Sozialistische Partei" umbenannt. Die wirtschaftliche Lage hatte sich im Lauf des Jahres erheblich verschlechtert, Albanien stand vor dem ökonomischen Kollaps: Hunderttausende demonstrierten in den Städten, und es kam zu verzweifelten Fluchtversuchen: über 10 000 Menschen versuchten z. B. im August 1991 auf dem Frachter "Vlora" über die Adria nach Italien zu gelangen. Sie wurden aber von den italienischen Behörden wieder in ihre Heimat zurückgeschickt. Hilfssendungen westlicher Staaten konnten nur die schlimmste Not lindern. Nach den Parlamentswahlen vom März 1992 trat im April Alia zurück, und das Parlament wählte Sali Berisha zum ersten nichtkommunistischen Staatspräsidenten Albaniens seit dem 2. Weltkrieg. Es bildete sich eine Regierungskoalition mit Aleksander Meksi als Ministerpräsidenten. 1993 wurden Ramiz Alia und andere kommunistische Funktionäre beschuldigt, Gelder veruntreut zu haben. Sie wurden im Dezember 1993 schuldig gesprochen und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. In der Außenpolitik kam es zu einer erheblichen Verbesserung der Beziehungen zu China. Im Mai 1992 unterzeichnete Albanien mit der Europäischen Gemeinschaft (heute: EU) eine Kooperationsvereinbarung mit einer Laufzeit von zehn Jahren. In den neunziger Jahren nahmen die Spannungen zwischen Albanien und Griechenland aufgrund des Minderheitenproblems zu. Auch die Beziehungen zu Serbien blieben angespannt. Beim Staatsbesuch des griechischen Präsidenten schrieben Albanien und Griechenland im März 1996 die Normalisierung ihrer politischen Beziehungen fest. Der Zusammenbruch dubioser Anlagefirmen trieb Albanien im Februar 1997 erneut an den Rand des Ruins. Zahlreiche Kleinanleger verloren infolge der Zahlungsunfähigkeit der Geldinstitute ihre Ersparnisse. Wochenlang kam es zu schweren Unruhen, und zehntausende Kleinanleger forderten von der Regierung ihr Geld zurück und lieferten sich mit den Sicherheitskräften Straßenschlachten. Zentren des Protestes waren die Hauptstadt Tirana und die Hafenstadt Vlorë im Südwesten des Landes. Präsident Sali Berisha beschuldigte die Opposition, die Unruhen zu schüren, um die Regierung zu stürzen. Die Pleitewelle ins Rollen gebracht hatte der Bankrott der Geldhäuser "Gjallica" und "Soudja" im Januar 1997. Sie erfasste die meisten großen Firmen und betraf fast alle Bürger Albaniens. Nach der politischen Wende 1992 hatten die als "Investmentfonds" firmierenden Geldhäuser, die von der Regierung als marktwirtschaftliche Finanzierungsinstrumente angepriesen worden waren, zahllose Kleinanleger mit Renditeangeboten in Höhe von bis zu 200 Prozent pro Quartal geworben. Nach gewalttätigen Ausschreitungen, bei denen Straßen und Eisenbahnlinien blockiert wurden und Rathäuser in Flammen aufgingen, ließ Präsident Berisha am 27. Januar 1997 Soldaten aufmarschieren. Am 8. Februar verhinderte die Polizei gewaltsam eine Demonstration des oppositionellen "Demokratieforums" in der Hauptstadt Tirana. Bei Straßenschlachten in Vlorë gab es in den folgenden beiden Tagen zwei Todesopfer und mehrere hundert Verletzte. Presseberichte über Massenverhaftungen von Regierungsgegnern wurden von offizieller Seite dementiert. Mehrere tausend Albaner flohen nach Italien. Im April 1997 begann die Stationierung einer internationalen Schutztruppe zur Stärkung der inneren Sicherheit im Lande. Diese Truppe umfasste etwa 6 000 Soldaten aus acht europäischen Ländern und blieb bis August 1997 in Albanien. Zu den Hauptaufgaben gehörten der Schutz der ausländischen Hilfsaktionen sowie die Verteilung der Güter. Die Soldaten wurden dazu in den größeren Hafenstädten und auf dem internationalen Flughafen nahe der Hauptstadt Tirana eingesetzt. Die Albanische Sozialistische Partei (PSS) verfehlte bei den vorgezogenen Parlamentswahlen Anfang Juli 1997 nur knapp die Zweidrittelmehrheit. Gemeinsam mit den Verbündeten, mit denen vor dem Wahlgang ein Koalitionsabkommen unterzeichnet worden war, erhielt die PSS jedoch die für eine Änderung von Verfassungsgesetzen und für die Wahl oder die Absetzung des Staatsoberhauptes notwendige Zweidrittelmehrheit. Im 155 Sitze umfassenden Parlament stellte die Sozialistische Partei nunmehr 100 Abgeordnete. Die früher allein regierende Demokratische Partei (PDS) des bisherigen Präsidenten Sali Berisha musste starke Einbußen hinnehmen und errang lediglich 28 Mandate. Drittstärkste Kraft wurden die Sozialdemokraten, die acht Abgeordnete stellten. Im Juli wurde Fatos Nano zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Schwerpunkt des so genannten "Antikrisenprogramms" seiner Regierung war die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation Albaniens. Als Nachfolger von Berisha wählte das Parlament Rexhep Mejdani zum neuen Staatspräsidenten. Die bisherige Machtfülle des Staatsoberhauptes wurde zugunsten des Amtes des Ministerpräsidenten eingeschränkt. Zu den vordringlichen innenpolitischen Zielen gehörten darüber hinaus die Ausarbeitung einer Verfassung, die das 1991 verabschiedete, aus 45 Paragraphen bestehende Verfassungsprovisorium ablösen soll. Im Oktober 1997 verließen die letzten Soldaten der Schutztruppe "Alba" nach vier Monaten das Land. Insgesamt waren etwa 7 000 Soldaten aus acht europäischen Ländern im Einsatz gewesen, um die innenpolitische Stabilität Albaniens zu sichern. Außenpolitisch geriet Albanien erneut mit seinem serbischen Nachbarn in Konflikt, da die Regierung in Belgrad jegliche Bestrebungen der Kosovo-Provinz nach mehr Autonomie unterdrückte. Im Oktober 1997 war es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Kosovo-Albanern und der serbischen Polizei und Ende Februar und Anfang März 1998 zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen gekommen, nachdem serbische Militär- und Polizeieinheiten Dörfer im Kosovo zerstört hatten. Die Kämpfe konzentrierten sich vor allem auf die Region um Srbice, das rund 40 Kilometer westlich der Hauptstadt Prishtina liegt. Belgrad bezichtigte Tirana, die Rebellen der Befreiungsarmee des Kosovo (UÇK) zu unterstützen. In der ersten Juniwoche 1998 zerstörte die serbische Polizei wieder
systematisch ganze Dörfer in der
Region Deqani an der albanischen
Grenze und verweigerte selbst Hilfsorganisationen den Zutritt. Etwa
10 000 Kosovo-Albanern gelang die Flucht nach Albanien oder Montenegro,
über 40 000 weitere flohen in die Berge der Grenzregion. Im September 1998 trat Ministerpräsident Fatos Nano zurück; im Oktober nahm Staatspräsident Rexhep Mejdani die Kabinettsliste des designierten Ministerpräsidenten Pandeli Majko an. Damit wurde die Regierungskrise im Land überwunden. Im November 1998 trat nach einer Volksabstimmung eine neue Verfassung in Kraft, die sich an das deutsche Grundgesetz und die italienische Verfassung anlehnt. Nachdem Pandeli Majko am 26. Oktober 1999 vom Amt des Ministerpräsidenten zurückgetreten war, wurde sein Stellvertreter Ilir Meta mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Albanien nahm 1999 zahlreiche vor serbischen Truppen aus dem Kosovo geflohene Albaner auf. Die hohe Zahl von Flüchtlingen stellte das Land weiterhin vor große Problemen. Am 24. Februar 2000 wurden die vor mehr als zwei Jahren geschlossenen Grenzübergänge zwischen Albanien und der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro wieder geöffnet. |