Die Kosovo Befreiungsarmee
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Die Kosovo Befreiungsarmee Die Kosovo Befreiungsarmee (albanisch Ushtria Çlirimtare e Kosovës, UÇK), 1992 gegründete und im September 1999 formell aufgelöste Untergrundarmee, die für den Abzug der serbischen Militär- und Polizeieinheiten aus Kosovo und für die Unabhängigkeit des Kosovo kämpfte. Das Kürzel UÇK steht auch für die albanische "Nationale Befreiungsarmee" in Makedonien (Ushtria Çlirimtare Kombëtare), die 2001 für mehr Rechte für die albanische Bevölkerungsminderheit in Makedonien kämpfte. Die UÇK bis zum Ende des Kosovo Krieges Gegründet wurde die Kosovarische UÇK 1992 von ehemaligen Angehörigen der serbischen Militär- und Polizeikräfte, die als Albaner aus politischen und ethnischen Gründen aus den serbischen Sicherheitskräften entlassen worden waren. Die Gründung der UÇK war eine Reaktion auf die Aufhebung der Autonomie des Kosovo durch den serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic 1989/90 und die in der Folgezeit zunehmenden Repressionen von serbischer Seite gegenüber der albanischen Bevölkerungsmehrheit im Kosovo. Von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen wurde die UÇK erst im April 1996, als sie sich zu einem Anschlag auf eine Siedlung serbischer Flüchtlinge aus Kroatien im Kosovo bekannte. In der Folgezeit verübte die Untergrundarmee zahlreiche weitere Anschläge auf serbische Sicherheitskräfte und Zivilisten im Kosovo, denen bis Anfang 1998 etwa 40 Menschen zum Opfer fielen. Im Februar 1998 unternahmen die serbischen Sicherheitskräfte eine erste größere Offensive gegen die UÇK, bei der auch zahlreiche Kosovo-Albanische Zivilisten ums Leben kamen. Daraufhin verstärkte die UÇK ihre Attacken gegen serbische Einheiten - zum Teil mit einigem Erfolg, so dass die UÇK im Lauf des Sommers 1998 weite Teile des Kosovo zu "befreiten Gebieten" erklärte. Damit provozierte sie jedoch neue, verschärfte Offensiven der serbischen Polizei und Armee und verlor wieder große Teile des von ihr kontrollierten Territoriums. Und auch nachdem internationale Vermittlungsbemühungen im Oktober 1998 Milosevic zur Umsetzung der UN-Resolution über den Kosovo, d. h. zum Abzug zumindest eines Teils der serbischen Einheiten aus dem Kosovo, hatte bewegen können, setzte die UÇK ihre Übergriffe auf serbische Einheiten und Zivilisten fort, obwohl sie im Oktober einseitig eine Waffenruhe verkündet hatte. Durch ihre andauernden Übergriffe und Anschläge störte die UÇK den Befriedungsprozess erheblich und trug schließlich mit zum Scheitern aller Friedensbemühungen bei. Nach einem serbischen Angriff auf eine UÇK-Hochburg im Dezember 1998 kündigte die UÇK die Waffenruhe wieder auf; der Konflikt im Kosovo verschärfte sich erneut. An den Friedensverhandlungen über eine politische Lösung für den Kosovo, die im Februar und März 1999 unter internationaler Vermittlung im französischen Rambouillet stattfanden, nahm für die Seite der Kosovo-Albaner neben den Gemäßigten um den (inoffiziellen) Präsidenten der Kosovo-Albaner, Ibrahim Rugova, auch die UÇK teil, vertreten u. a. durch ihren politischen Führer Hashim Thaçi, und unterzeichnete ebenso wie die Gemäßigten das von der internationalen Kosovo-Kotaktgruppe vorgelegte Friedensabkommen. Nach dem Beginn der NATO-Luftangriffe auf Jugoslawien am 24. März 1999 - sie waren die Konsequenz aus der Weigerung der jugoslawischen Staatsführung, das Rambouillet-Abkommen zu unterzeichnen - setzte die UÇK ihren Guerillakrieg gegen serbische Einheiten im Kosovo fort; den Übergriffen der Serben auf die Kosovo-Albanische Zivilbevölkerung und der massenhaften Vertreibung der Kosovo-Albaner konnte sie jedoch nichts entgegensetzen. Struktur und Organisation der UÇK Über Kommandostrukturen, Führungspersonal, Stärke und Bewaffnung der UÇK ist wenig bekannt. Ihre Strukturen hielt sie streng geheim, von der Führungsspitze traten nur wenige in der Öffentlichkeit auf, und die Angaben über ihre Stärke schwankten sehr stark: Vor Ausbruch des Kosovo-Krieges bezifferte die UÇK selbst ihre Stärke auf 30 000 ausgebildete Soldaten, westliche Experten gingen von 15 000 Mann aus, und die jugoslawische Regierung schätzte ihre Stärke auf 10 000 und bezeichnete sie als "Terrororganisation", womit sie ihre Offensiven gegen die UÇK rechtfertigte. Seit Ausbruch des Krieges rekrutierte die UÇK massenweise neue Kämpfer und schreckte dabei teilweise auch vor Zwangsrekrutierungen in den Flüchtlingslagern in Albanien und Makedonien nicht zurück. Die UÇK bezog ihre ihre Waffen, sofern sie sie nicht von serbischen Einheiten erbeutete, zum größtem Teil aus freiwilligen Abgaben der etwa 500 000 im Ausland lebenden Kosovo-Albaner. Ab Januar 1999 unterhielt die UÇK mit Kosovapress auch eine eigene Nachrichtenagentur. Politisch erklärte sich die UÇK für unabhängig und lehnte es ab, sich von den Kosovo-Albanischen Parteien vereinnahmen zu lassen oder sich von dem inoffiziellen Kosovo-Albanischen Parlament kontrollieren zu lassen; vielmehr beanspruchte sie selbst die Führung im Kampf um die Unabhängigkeit. Rugova, den sie aufgrund seines Eintretens für eine gewaltfreie Lösung des Kosovo-Konfliktes als "Verräter" bezeichnete, und das Kosovo-Albanische Parlament erkannte die UÇK nicht an; im März 1999 bildete sie eine provisorische Regierung mit Hashim Thaçi als Ministerpräsidenten. Demilitarisierung und Auflösung der UÇK Nach dem Ende des Kosovo-Krieges am 10. Juni 1999, dem Abzug der serbischen Einheiten aus dem Kosovo sowie der Etablierung der KFOR-Truppen und der UN-Übergangsverwaltung (UNMIK) stellte sich die Frage nach der künftigen Rolle der UÇK im Kosovo. Während die UÇK selbst ihre Umwandlung in eine reguläre Streitmacht für den Kosovo anstrebte, plädierten die NATO-Staaten und die UNO für die vollständige Entwaffnung der UÇK und die Einbindung ihrer Mitglieder in die zu errichtenden zivilen Strukturen des Kosovo. In einem ersten Schritt in Richtung auf die von NATO und UNO vorgesehene Lösung der UÇK-Frage unterzeichneten der UÇK-Führer Thaçi und der Befehlshaber der KFOR-Truppen am 21. Juni 1999 ein Abkommen über die Demilitarisierung der UÇK, in dem sich die UÇK zur Einstellung aller Feindseligkeiten gegen die Serben im Kosovo, zum Verlassen ihrer Stellungen und zur Abgabe ihrer Waffen in drei Stufen von jeweils 30 Tagen verpflichtete. Die Abgabe der Waffen verlief relativ planmäßig (wenngleich kaum überprüfbar war, ob tatsächlich alle Waffen abgegeben wurden); UÇK-Mitglieder verübten jedoch weiterhin zahlreiche Übergriffe auf Serben und Roma, und als problematisch erwies sich zudem, dass die UÇK das nach dem Abzug der Serben entstandene Machtvakuum im Kosovo teilweise mit Erfolg zu besetzen und Parallelstrukturen zu KFOR und UNMIK aufzubauen suchte. Anfang September 1999 begann die Ausbildung einer ersten Gruppe ehemaliger UÇK-Kämpfer für eine unter UNO-Aufsicht stehende Polizeitruppe für den Kosovo, die sich zum großen Teil aus UÇK-Mitgliedern rekrutieren sollte. Unmittelbar vor dem Abschluss ihrer Demilitarisierung am 21. September 1999 verabschiedete sich die UÇK mit einer Parade in Pristina von der Bevölkerung und kündigte gleichzeitig an, weiterhin eine Schutztruppe für alle Kosovaren bleiben zu wollen. Art und Umfang einer solchen Truppe waren jedoch weiterhin zwischen UÇK und NATO bzw. UNO umstritten; erst auf Druck der NATO- und UNO-Vertretungen im Kosovo unterzeichnete Thaçi schließlich ein Abkommen, das die Umwandlung der UÇK in ein 5000 Mann starkes, ausschließlich für zivile Einsätze bestimmtes und mit 200 Waffen ausgerüstetes Kosovo-Schutzkorps vorsah. Auflösung der UÇK Offiziell wurde die UÇK am 20. September 1999 aufgelöst und eine Art Nationalgarde mit dem Namen Kosovo-Schutzkorps (albanisch Trupat e Mbrojtjes se Kosovës/TMK) unter der Führung von Agim Çeku gegründet. Die Makedonische UÇK Anfang 2001 tauchte in der östlichen Schutzzone um den Kosovo und vor allem im makedonischen Grenzgebiet zum Kosovo eine "neue" bewaffnete UÇK auf, die nach eigener Aussage für den Schutz und die Gleichberechtigung der ethnischen Minderheit der Albaner in Makedonien kämpfte. Diese makedonische Organisation hatte mit der Befreiungsarmee des Kosovo zunächst einmal das Kürzel UÇK gemein, wenn auch als Abkürzung für Ushtria Çlirimtare Kombëtare, "Nationale Befreiungsarmee". Die Gemeinsamkeiten zwischen Kosovo-Albanischer und makedonischer UÇK gingen jedoch tiefer: Nicht nur waren ihre Ziele weitgehend identisch - die Befreiung der Albaner aus serbischer bzw. makedonischer Unterdrückung -, sondern die makedonische UÇK konnte auch in großem Umfang auf Personal und Material der Kosovo-Albanischen zurückgreifen. Die makedonische UÇK rekrutierte sich zum Großteil aus makedonischen Albanern sowie Kosovo-Albanern, die zuvor für die Kosovo-Albanische UÇK im Kosovo gekämpft hatten, nach dem Kosovo-Krieg aber weder in Thaçis Partei noch im Polizeidienst oder im Kosovo-Schutzkorps untergekommen waren. Die Angaben über die personelle Stärke der makedonischen UÇK schwankten erheblich: Sie reichten von einigen Hundert bis zu mehreren Tausend. Ebenso unterschieden sich die Angaben über Anzahl und Art der Waffen, die zu einem großen Teil wohl ebenfalls von der Kosovo-Albanischen UÇK stammten: Hier wurden Zahlen von 8 000 bis zum Zehnfachen genannt, darunter Minen und Granaten, Panzer- und Luftabwehrgeschütze, Raketen sowjetischer und amerikanischer Herkunft sowie Haubitzen. Auch die Taktiken der beiden UÇKs ähnelten einander: Rasche Schläge aus dem Hinterhalt, Überfälle auf Polizei- und Militäreinrichtungen, durch die unverhältnismäßige Reaktionen der staatlichen Sicherheitskräfte provoziert werden sollten, die wiederum eine internationale "humanitäre Intervention" zugunsten der Albaner herbeiführen sollten (so forderte die UÇK wiederholt die Stationierung einer NATO-Schutztruppe). Zudem machte sich die makedonische UÇK die Schwäche und schlechte Ausbildung der makedonischen Armee sowie die politische Situation, die eine Provokation der Albaner seitens der slawisch-makedonischen Bevölkerungs- und Regierungsmehrheit verbot, zunutze. Die enge Verbindung der beiden UÇKs manifestierte sich auch im Führungspersonal: Ali Ahmeti, der politische Führer der makedonischen UÇK, ist ein Neffe von Fazli Velius, einem der Mitbegründer der ersten UÇK. Bis Ende Juli 2001 lieferten sich die makedonische UÇK und die makedonische Armee immer wieder mehr oder weniger heftige Gefechte. Dabei besetzte die UÇK im Norden von Makedonien eine Reihe von Dörfern, bedrohte zeitweise sogar die Außenbezirke der makedonischen Hauptstadt Skopje und drang bis ins Zentrum des mehrheitlich albanisch bewohnten Tetovo vor. Teilweise gelang es der makedonischen Armee, die UÇK wieder aus ihren neu eroberten Stellungen zurückzudrängen, teilweise hatte sie den Rebellen aufgrund ihrer mangelhaften Ausrüstung und Ausbildung nichts entgegenzusetzen, teilweise konnte der Abzug der UÇK durch Vermittlung erreicht werden. Vereinbarte Waffenruhen wurden von beiden Seiten wiederholt gebrochen. Während die Kämpfe andauerten, bemühte sich die makedonische Regierung um eine politische Lösung des Konflikts; direkte Verhandlungen mit der UÇK, in ihren Augen "Terroristen", lehnte sie dabei ab. Die seit Mai 2001 forciert geführten Verhandlungen zwischen den slawisch-makedonischen und den albanisch-makedonischen Parteien über eine Beilegung des Konflikts standen mehrmals unmittelbar vor dem Scheitern, mündeten am 13. August 2001 aber schließlich doch in der Unterzeichnung eines Rahmenabkommens, an dessen Zustandekommen Vermittler von NATO und Europäischer Union maßgeblichen Anteil hatten. Das Abkommen sah auf der einen Seite eine Verfassungsänderung zur Verbesserung des Status der albanischen Minderheit in Makedonien vor, auf der anderen Seite die "vollständige freiwillige Entwaffnung" der UÇK und ihre "vollständige freiwillige Auflösung". Nach Unterzeichnung des Abkommens und nachdem eine relativ stabile Waffenruhe festgestellt worden war, entsandte die NATO unter Zustimmung der makedonischen Regierung und der UÇK eine 3 500 Mann starke Truppe nach Makedonien, deren Aufgabe ausschließlich darin bestand, die freiwillig abgegebenen Waffen der UÇK einzusammeln. Diese Operation lief unter dem Namen Essential Harvest ("Bedeutende Ernte") und war zusätzlich durch ein Abkommen zwischen der NATO und der UÇK abgesichert. Laut dem Rahmenabkommen sollte, sobald ein Drittel der UÇK Waffen eingesammelt wäre, das makedonische Parlament mit seinen Beratungen über eine Verfassungsänderung zugunsten der Albaner beginnen; nach der Abgabe des zweiten Drittels sollte die parlamentarische Beratung fortgesetzt werden, und nach Abgabe des letzten Drittels, aber spätestens 45 Tage nach Abschluss des Abkommens am 13. August, sollte die geänderte Verfassung verabschiedet sein. Der Einsatz der NATO wurde auf 30 Tage veranschlagt. NATO und UÇK hatten sich auf 3 300 abzugebende Waffen geeinigt, darunter 2 950 Schnellfeuergewehre, zwei Panzer und zwei Panzerfahrzeuge, sechs Luftabwehrsysteme und 210 Maschinengewehre. Diese Zahl hielt die makedonische Regierung allerdings für "lächerlich"; ihrer Erkenntnis nach verfügte die UÇK über 60 000 bis 100 000 Waffen. Am 25. September 2001 hatte die UÇK entsprechend dem Zeitplan die vereinbarte Anzahl an Waffen den NATO-Truppen übergeben. Das makedonische Parlament hatte zwar unterdessen im Grundsatz den Verfassungsänderungen zugestimmt; die endgültige Verabschiedung der geänderten Verfassung ließ allerdings - entgegen dem ursprünglichen Zeitplan - noch auf sich warten. Zwei Tage später, am 27. September 2001, verkündete der Führer der makedonischen UÇK, Ali Ahmeti, die Selbstauflösung der UÇK und ihre Rückkehr ins zivile politische Leben. |
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